Robert
Johnson (ca. 1911-1938)
Über keinen anderen frühen Bluesmusiker wurde in den
vergangenen Jahren soviel geschrieben wie über Robert Leroy Johnson. Die Gerüchteküche
über sein Leben, seine Musik,seine Frauengeschichten und seine Todesumstände
schien geradezu überzubrodeln, es wurde recherchiert, analysiert und spekuliert
was das Zeug hielt.So war es mir zunächst beinahe etwas unangenehm auch noch
meinen Senf zu diesem Mann abzugeben, doch hätte ich darauf verzichtet, wäre
in unserer History-Reihe eine derart große Lücke entstanden, die der Bedeutung
Robert Johnsons alles andere als gerecht geworden wäre.
Die Frage
ist, was die Gründe für seine heute so große Popularität sind. Da ist natürlich
Eric Clapton, der ihn zu seinem persönlichen Gott auserwählte, die Rolling
Stones und eine Unmenge anderer die seine Titel interpretieren und dadurch das
öffentliche Interesse mehr und mehr auf ihn gelenkt haben. Wurde um diesen
Musiker ein künstlicher Mythos aufgebaut? Es gibt Spekulationen, er habe seine
Seele dem Teufel verkauft und einer seiner Lehrmeister, Son House berichtete,
Johnson habe so schnell das Gitarre spielen erlernt wie es normalerweise unmöglich
sei und unterstellte ihm einen Pakt mit dem Teufel geschlossen zu haben.
Ich glaube die Gründe sind recht sachlich zu definieren. Robert Johnson besaß
den absoluten Willen mit der Musik seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, er
hielt nicht viel von der Landarbeit und so blieben ihm auch kaum andere Wege
offen. Er war ein Musiker, der in der Lage war neue Stücke schnell aufzunehmen
und umzusetzen, so erarbeitete er sich schnell ein breites Reportoire das
stilistisch breit gefächert war. Was seine Musik, für mich, von der aller
anderen abhebt, ist die ungeheuere Ehrlichkeit und Intimität die sie
ausstrahlt, es ist die persönliche Offenheit die sie vermittelt und dadurch
sehr schnell Zugang ermöglicht. Clapton sagte einmal, er habe den Eindruck, daß
Johnson selbst bei seinen Aufnahmen den Eindruck vermittle er spiele einzig und
allein für sich allein, als ob er irgend wo in Mississippi am Feldesrand sitze
und sich seinen Blues vom Herzen spielt und nicht vor Mikro und
Aufnahmemaschine. Sämtliche 41 Titel die von ihm übermittelt sind stammen von
ihm, doch sind es nicht alle "echte" Johnsons. Auch er lernte viel vom
hören seiner Idole Son House, Charley Patton,Blind Lemon Jefferson oder Lonnie
Johnson. Da wurde jede Menge an Licks, Themen und Texten übernommen. Dennoch
trifft eben gerade Johnson ins Herz der Leute, so haben sich einige seiner Titel
zu absoluten Bluesklassikern entwickelt wie z. B. "Sweet home
Chicago", "I believe i'll dust my broom" oder "Rambling on
my mind." Es handelt sich um 29 unterschiedliche Stücke, die allesamt solo
eingespielt sind, Gesang und Gitarre. Die Gitarre dient in erster Linie als
Begleitung, nur ein einziges mal (bei Kindhearted Woman Blues) ist ein
Gitarrensolo zu entdecken, doch bestimmt sie das musikalische Thema und drückt
jedem Stück seinen unverwechselbaren Stempel auf. Johnson spielt extrem gefühlsbetont,
ohne sich fest an Taktzahl und Tempo zu binden, die Gitarre und die
ausserordentlich lebendige Stimme verbinden sich zu Einem. Die Aufnahmen
entstanden zwischen November 1936 und Juni 1937 in San Antonio und Dallas/Texas.
Der kommerziell erfolgreichste Titel wurde bereits am ersten Tag eingespielt,
"Terraplane Blues".
Robert
Johnson wurde in Hazlehurst/Mississippi geboren, sozusagen als das Ergebnis
einer Affäre seiner Mutter. Sie zog später wieder zu ihrer Familie nach
Memphis und schließlich nach Robinsonville. Eine Reise zusammen mit Johnny
Shines und Calvin Frazier (dieser hatte auch allen Grund seine Heimat zu
verlassen, da er in Arkansas mehrere Männer umgebracht hatte) brachte ihn nach
Chicago, Detroit, New York, New Jerey und St. Louis. Dies machte ihn auch über
die Grenzen seiner Heimat hinaus bekannt und er hatte die Gelegenheit viele
Musikerkollegen der Zeit kennezulernen und zusammen zu spielen.
Im Jahre
1938 beauftragte Talent Scout John Hammond den in Dallas ansässigen Don Law für
ein großes Konzert in New Yorks Carnegie Hall Robert Johnson aufzuspüren. Dort
bestand die große Chance schwarze Künstler einem weißen Puplikum
vorzustellen, doch die Gelegenheit kam zu spät, Robert Johnson war bereits tot.
Seine endlose Begeisterung für das weibliche Geschlecht kostete ihm das Leben.
Der Wirt des JukeJoints "Three
Forks", wo Robert Johnson für ein paar Wochen angagiert war, vergiftete
ihn, nachdem Johnson nicht von seiner Frau ablassen wollte. Robert Johnson hat
die populäre Musik der letzten fünf Jahrzehnte beeinflußt wie kein anderer.
Es ist nur schwer abzuschätzen was geschehen wäre, wenn er nicht im zarten
Alter von 27 Jahren dieses unnatürlichen Todes gestorben wäre. Auch heute,
nach mehr als 50 Jahren, vergeht kein Monat, in dem nicht auf irgend einer
Neuerscheinung Robert Johnson Stücke auftauchen. Die "Complete Recordings"
mit 48-seitigem Booklet sind DAS MUSS für jeden Blues-Liebhaber, und dies
sicherlich nicht wegen Clapton oder den Stones, sondern einzig und allein wegen
der Musik von Robert Leroy Johnson, ihrer Intensität und ihrem Ausdruck.